Behindertengerecht umgebaute Camper: Darauf sollten Sie achten

2. Februar 2023

Beitragsdatum

Frank Sodermanns

Autor

Behindertengerecht umgebaute Camper: Darauf sollten Sie achten

2. Februar 2023

Beitragsdatum

Frank Sodermanns

Autor

Freemotion_Camper_Gruppe

Auch für Menschen mit Behinderung ist Camping kein Nischenthema mehr, denn die Fahrzeugauswahl ist inzwischen sehr groß, genau wie die Umbaumöglichkeiten. Wie so oft bei individuellen Umbaulösungen gibt es aber einiges zu beachten, wenn das Fahrzeug optimal ausgestattet sein soll und man keine böse Überraschung erleben möchte. Insbesondere Nutzerinnen und Nutzer mit Behinderung, die noch keine persönlichen Erfahrungen mit dem Camping haben, sollten sich an einen bewährten Umrüstbetrieb wenden.


Welches Fahrzeug in Frage kommt, hängt in erster Linie von den persönlichen Vorlieben ab. Ist man Wochenendcamper oder geht man gleich mehrere Wochen im Jahr auf Reise? Auch Vans lassen sich mit viel Liebe zum Detail zu Campingfahrzeugen umbauen. Auf wenig Platz ist viel möglich, wie man am Beispiel eines umgebauten VW T5 Freemotion Campers gut sehen kann.

Vorsicht beim Gesamtgewicht

Insgesamt befinden sich drei Schlafplätze im Fahrzeug, davon einer für eine Person im Rollstuhl und zwei im Aufstelldach für Fußgänger. Folgerichtig sind auch drei vollwertige Sitzplätze verbaut, die sich teilweise sogar in sechs-Richtungen verstellen lassen. Ein Kochfeld, ein Waschbecken mit Frischwasser, eine Kühlbox und sogar ein portables WC gehören ebenfalls zur Ausstattung. Über den seitlichen Lift gelangt man ins Fahrzeug und wer die nötigen Führerscheineinträge hat, kann mit dem Handgerät für Gas und Bremse und dem Multifunktions-Lenkraddrehknauf sogar mit Behinderung selbst fahren.

Doch je größer das Fahrzeug und je umfangreicher der Umbau, desto mehr Gewicht bringen die Fahrzeuge auf die Waage. Dann sollte man unbedingt das zulässige Gesamtgewicht berücksichtigen, denn der PKW Führerschein Klasse B erlaubt das Führen von Fahrzeugen bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen, und die sind unter Umständen schnell überschritten. Dann benötigt man den Führerschein der Klasse C1, deren Obergrenze bei 7,5 Tonnen liegt. Wer den alten Führerschein Klasse 3 hat, ist davon nicht betroffen, denn dieser erlaubt ebenfalls das Führen von Fahrzeugen bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht.

Kluge Planung spart Platz

Entscheidet man sich für einen Kastenwagen, der nach den individuellen Wünschen aufgebaut wird, genießt man in der Regel den Vorteil einer breiten Schiebetür an der Seite. Diese Öffnung bietet viel Platz, um mit dem Rollstuhl leicht in das Fahrzeug zu gelangen. Ein Unterflurkassettenlift mit dem entsprechenden Hub, dient Rollstuhlfahrern dabei zur Überwindung des Höhenunterschieds.

Wichtig bei der Planung des Aufbaus ist die Durchfahrbarkeit des Fahrzeugs mit dem Rollstuhl und die entsprechende Ausstattung. Beispielsweise ist es häufig praktisch, wenn die Kühlbox nach oben geöffnet werden kann, weil eine nach vorne zu öffnende Tür gegen den Rollstuhl stoßen würde. Hilfreich sind auch absenkbare Hängeschränke, die aus sitzender Position erreicht werden können. Eine ausreichend große und befahrbare Nasszelle mit Dusche gehört ebenfalls zu einer guten Ausstattung, wie man auf den Bildern des Reha-Campers sieht, der in diesem Fall auf einem Opel Movano aufbaut.

Funktionalität und ansprechende Optik vereinen

Eine besondere Herausforderung beim Umbau mit Sonderanfertigungen bei klassischen Reisemobilen sind die Aufnahmepunkte. Wo kann man zum Beispiel Haltegriffe, Trittstufen oder gar schwere Hub-Schwenksitze befestigen und dennoch eine optimale Nutzerfreundlichkeit erreichen? Häufig versperren Verkleidungselemente den Weg, die entsprechend angepasst werden müssen. Hier hilft die Erfahrung des Umrüsters, einen guten Kompromiss aus Funktionalität und einer optisch ansprechenden Lösung zu finden.

Erst planen, dann anschaffen

Gerade bei großen Fahrzeugen, die aus dem LKW-Bereich kommen, muss berücksichtigt werden, ob es sich bei der Fahrzeugtechnik um 12 oder 24 Volt handelt, denn das hat unter Umständen Auswirkungen auf die Umbautechnik. Nicht zuletzt ist zu beachten, dass nicht jede Werkstatt für solche Fahrzeuge ausgestattet ist. Hebebühnen die so schwere Fahrzeuge hochheben können und Mitarbeiter mit entsprechendem Führerschein sind nicht selbstverständlich.

Grundsätzlich ist auch beim Umbau von Campern für Menschen mit Behinderung fast alles möglich. Die individuell beste Lösung ist abhängig von der Kombination Fahrzeug, Einschränkung des Kunden und den Ausstattungswünschen. Eine allgemein optimale Lösung kann es deshalb zwar nicht geben, wohl aber eine individuell bestmögliche. Um diese zu erreichen, empfehlen wir Ihnen, sich rechtzeitig vor der Anschaffung eines Campers an einen erfahrenen Mitgliedsbetrieb des VFMP zu wenden.

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